Clarisse Cremer triumphiert an ihrer ersten Teilnahme an der Vendée Globe. 

87 Tage, 2 Stunden und 24 Minuten. So lange hat die 31-jährige französische Seglerin gebraucht, um ihre ersten Vendée Globe zu beenden. Auf Platz 12 ist sie die erste Frau, welche die Ziellinie dieser Ausgabe überquert und den Frauenrekord dieses Wettbewerbs bricht, indem sie unter 90 Tagen für das Rennen benötigte.

«Ich halluziniere völlig, es ist genial», sind die ersten Worte von Clarisse Cremer, als sie am 3. Februar 2021 den Kanal von Les Sables-D'Olonne entlang fuhr. Einige Tage später gab sie gegenüber «L'Équipe» zu, dass es immer noch schwierig sei, alles zu realisieren : «Es ist imposant, so viele Menschen auf einmal zu sehen, meine Familie und das Team zu treffen und zurück nach Paris zu gehen, nachdem ich drei Monate alleine war. Ich habe das Gefühl, mein Körper ist hier, aber mein Kopf ist immer noch ein bisschen da draußen.» Ein ganz normales Gefühl nach dem, was sie durchgemacht hat. «Mir wurde gesagt, es dauert doppelt so lange, wie man auf See war, um sich von einem Rennen zu erholen. Im Prinzip sollte ich also sechs Monate brauchen», sagte sie lächelnd zu France 24.

«Ich war wie ein Tier»

Zu den prägenden Momente ihrer Reise zählt die Französin ihren Geburtstag, den sie am 30. Dezember 2020 allein an Bord feierte oder als sich ihr Boot auf dem Rückweg von den Azoren den Atlantik hinauf mit Wasser füllte. Sie gestand dem «Parisien», dass sie sich an Bord nicht genug gepflegt und zwischen dem 24. November und dem 12. Januar nicht gewaschen habe: «Die Vorstellung, Energie aufzuwenden, um Wasser zu erhitzen und meine Haare zu waschen, war überwältigend, ich war wie ein Tier... Doch das Waschen und der Kleiderwechsel helfen, den Tagesrhythmus aufrecht zu erhalten.» Auf der anderen Seite hatte sie Zeit, ein Dutzend Romane zu lesen und sich ein paar romantische Komödien anzusehen. Auch wenn sie manchmal acht Stunden am Stück mit Reparaturen beschäftigt war.  

Von Schülern einer Pariser Schule befragt, erzählte sie, dass sie «fast ein Ölfass getroffen hätte» und war über den Müll schockiert, auf den sie auf ihrer gesamten Reise wahrgenommen hatte: «Selbst in der Südsee stieß ich auf Müll, obwohl ich wochenlang kein einziges Boot oder keinen Menschen gesehen hatte.» Clarisse verbrachte viele Stunden damit, Delfine zu bewundern, die um ihr Boot herum spielten und die Albatrosse zu beobachten, die über sie hinweg flogen, aber sie begegnete keinem Wal.

«Ich habe mich ständig beschwert und geweint»

Die französische Skipperin gab zu, dass die Einsamkeit auf ihr lastete und es nicht leicht war, bis zum Schluss motiviert zu bleiben: «Nach der Umrundung des Kap Hoorn dachte ich, dass alles vorbei sei, dass es nun Spaß machen würde... aber weit gefehlt. Ich war erschöpft. Ich hatte einen ›Blues‹, meine Moral war eingebrochen. Ich habe immer wieder gejammert und geweint... Doch dann habe ich wieder zu meinem Lächeln gefunden.» Zum Glück hatte sie immer ihre Landcrew, die ihr den Rücken frei hielt und regelmäßig nach dem Rechten sah. «Das ist sehr beruhigend», gibt sie zu, zumal sie zu Beginn des Rennens sehr wenig Selbstvertrauen hatte, vor allem im technischen Bereich. «Man baut sein Selbstvertrauen nach und nach auf», erklärte sie gegenüber France 24. «Jede Herausforderung bringt uns dazu, zu sagen, dass unsere Möglichkeiten größer sind, als wir es uns vorgestellt hatten. Für mich geht es vor allem darum, seine Ängste und Befürchtungen zu überwinden. Das ist ein echter Aufsteller im täglichen Leben an Land.»    

Was ihre Zukunft angeht, so gibt Clarisse Cremer zu, dass sie noch keine Zeit hatte, darüber nachzudenken und dass sie etwas Zeit braucht, um zu Ruhe zu kommen. «Ich habe Schwierigkeiten damit, anzukommen, gestand sie. Ich bin ein bisschen ausgebrannt. Ich brauche Zeit zum Herunterfahren und Nachdenken. Mein Sponsor gibt mir die benötigte Zeit und ich war sowieso noch nie gut darin, vorauszudenken. Ich war schon lange nicht mehr in der Hochseeregatta-Szene unterwegs. Es ging alles sehr schnell, und ich musste aufmerksam sein.»

Die Ankunft von Clarisse Cremer: