Das Team New Zealand, Titelverteidiger des America’s Cup, hat Mitarbeiter entlassen, welche der Spionage beschuldigt werden. Das Team behauptet auch, Opfer eines Betrugs zu sein.

Das neuseeländische Team segelt in rauen Gewässern. Während der Vorbereitungen für die Teilnahme am nächsten America’s Cup (der vom 6. bis 21. März 2021 in Neuseeland stattfindet) gab das Team in einer Pressemitteilung bekannt, dass Mitarbeiter entlassen wurden, welche zur Spionage für konkurrierende Teams verdächtigt wurden.

“Wir sind uns nicht zu 100% sicher, was sie wollten und was sie als Gegenleistung erhielten. Aber wir haben alles früher abgepfiffen, als sie es erwartet hatten”, sagt Grant Dalton, Direktor von Team New Zealand (TNZ). Er gab zu, er sei “besorgt” darüber, wie die Informationen geklaut wurden. Die betroffenen Mitarbeiter waren in der Veranstaltungsabteilung der neuseeländischen Organisation tätig.

Alinghi war auch Opfer von Spionage im Jahr 2010

Spionage ist nichts Neues im Sport, auch bei den Vorbereitungen zum America’s Cup. Das Team Alinghi, Gewinner der America’s Cups 2003 und 2007, erlebte es ebenfalls. Der Direktor, Pierre-Yves Jorand, sprach bei RTS darüber: “Während der Montagephase unseres Katamarans in einer Halle im Jahr 2010 haben viele Menschen Gerüste, Verankerungen und andere Dinge installiert. Dabei hat man gesehen, wie eine Person herumläuft, aber in präziser und regelmässiger Art und Weise - sowohl in der Breite, als auch in der Länge. Es stellte sich heraus, dass diese Person von der gegnerischen US-Mannschaft angestiftet wurde, den Achsabstand unseres zukünftigen Bootes auszumessen.”

Pierre-Yves erinnert daran, dass eine Mannschaft in der letzten Phase der Vorbereitung auf den America’s Cup aus mehreren hundert Mitarbeitern besteht. Mit anderen Worten: Das Risiko eines Verrats ist enorm. Um dieses so weit wie möglich zu reduzieren, haben die Teammanager von Alinghi ihre Teammitglieder immer darum gebeten, Zuhause nicht über den Arbeitstag zu sprechen. 

Team New Zealand ist Opfer eines Betrugs

Was die neuseeländische Mannschaft betrifft, so beschränken sich ihre Rückschläge nicht auf die Spionageaffäre. Sie befindet sich mitten in einem weiteren Sturm mutmasslichen Fehlverhaltens. Die Regierung hat eine Untersuchung eingeleitet und kritisiert die “schlechte strukturelle und finanzielle Organisation, die Abneigung gegen Informationsaustausch und schlechte Führung”. Insbesondere prüfe die Behörde ein Darlehen in Höhe von 1,7 Millionen Euro, das dem Segelteam gewährt wurde und dessen ursprünglicher Zweck offenbar geändert wurde. 

Der an vorderster Front entschlossene Grant Dalton äusserte sich in einer Pressemitteilung und wies jedes finanzielle Fehlverhalten seines Teams zurück. Er behauptet sogar, Opfer eines Betrugs geworden zu sein, als er einen Lieferanten in Europa bezahlen wollte. Das auf ein Bankkonto in Ungarn eingezahlte Geld ist verschwunden. Der Direktor des TNZ setzte sich daraufhin mit der Polizei in Verbindung und eine Interpol-Untersuchung führte zur “Rückforderung eines Teils des Geldes”, sagte er. “Wir waren Opfer von Gaunern, sowohl die Polizei als auch wir wissen nicht, um wen es sich handelt”, erklärte Dalton.